Foto: Wien Energie
Claudia Heuritsch
Daikin Professional

Wien mit Daikin-Power Vorreiter bei Fernkälte

Das Konzept der Fernwärme hat sich bereits etabliert, doch das Prinzip lässt sich auch abwandeln: Fernkälte ist eine vergleichsweise neue Form der Raumkühlung, die sich vor allem für Großverbraucher eignet. Wien ist ein Vorreiter beim Ausbau der Fernkälte und setzt dabei mit Daikin auf einen starken Partner.

Die aktuelle Hitzewelle verdeutlicht einmal mehr, dass Temperaturen weit jenseits der 30 °C auch in Mitteleuropa ein regelmäßiges Phänomen werden. Der Bedarf an Lösungen zur Raumkühlung nimmt stark zu – und damit auch der Energieverbrauch. In zwanzig Jahren wird Europa laut Experten in etwa so viel Kühlenergie wie Heizenergie brauchen. Diese Prognose schreit nach cleveren Lösungen, die energieeffizient für ein komfortables Raumklima sorgen.

Wien geht bereits seit mehreren Jahren neue Wege, um Kühlenergie zu gewinnen. Im Mittelpunkt steht dabei die Abwärme, die beim Verbrennen von Müll und in Kraftwerken entsteht – ein Konzept, das sich bei Fernwärme seit Jahrzehnten bewährt. Bei der Fernkälte werden indes Kältemaschinen eingesetzt, um die Abwärme in Kühlenergie umzuwandeln.

Wie funktioniert Fernkälte?

„Fernkälte ist eigentlich das gleiche System wie Fernwärme, nur umgekehrt. Wir schicken hier kaltes Wasser zum Kunden“, sagt Natalie Stanke, Projektleiterin der Fernkälte bei Wien Energie, in der ORF-Sendung „Daheim in Österreich“. Wie das genau funktioniert lässt sich am Beispiel des größten Wiener Fernkältezentrums unter dem Schottenring erklären.

„Hier haben wir die Leitungen, die vom Donaukanal geführt werden. Einerseits wird hier Donaukanalwasser in die Kältezentrale gepumpt. Andererseits sind hier die Fernwärmeleitungen, die Absorptionskältemaschinen mit Wärme versorgen“, erläutert Stanke. Die Wärme kommt zum Großteil aus der Müllverbrennungsanlage Spittelau. Sie dient anstelle von Strom als Antriebsenergie für die Kältemaschinen – und die kommen von Daikin. Genauer gesagt handelt es sich dabei um Wasser/Wasser-Kaltwassersätze, die das Donaukanalwasser auf 5 °C herunterkühlen. Insgesamt wurden für die Wiener Fernkälte acht Stück dieser Daikin-Geräte verbaut.

Fernkälte❄️ direkt aus der Donau🌊?

Wien 💚 kann stolz sein, auf die innovativen Lösungen - wie auch bei der Fernkälte!Aber wie funktioniert sie eigentlich?⚡️Wir lassen die Projektleiterin und Ideengeberin der Anlage, Natalie Stanke, zu Wort kommen:

Gepostet von Wien Energie am Samstag, 21. Juli 2018

 

Das gekühlte Wasser wird dann über das Fernkältenetz – alleine im 1. Bezirk 3,3 Kilometer lang - durch die Stadt gepumpt. Bei den Kunden steigt die Wassertemperatur während des Kühlvorgangs auf etwa 16 °C an. Das erwärmte Wasser läuft in einem geschlossenen Kreislauf zur Kältezentrale zurück, wo es wiederum abgekühlt wird.

„Die Kältemaschinen, die hier installiert sind, haben insgesamt eine Leistung von 15 Megawatt. Das ist in etwa die Leistung von 100.000 handelsüblichen Kühlschränken“, schildert Stanke den Output des Fernkältezentrums Schottenring.

Über zehn Jahre Fernkälte in Wien

Der Startschuss zur Fernkälte fiel in Wien bereits im Jahr 2007, damals mit einer Zentrale. Heute gibt es derer 16, die über die gesamte Stadt verteilt sind. „Wir können derzeit schon Flächen in der Größe von 200 Fußballfeldern kühlen“, erklärt Boris Kaspar, Unternehmenssprecher bei Wien Energie. „Für die Fernkälte kann man kein normales Heizungssystem verwenden, dafür braucht es spezielle bauliche und technische Voraussetzungen. Wir versorgen Krankenhäuser, große Hotels und Krankenhäuser“, sagt Kaspar.

Im Winter läuft das System zwar nicht auf Hochtouren, produziert aber dennoch, vorwiegend zur Kühlung von elektrischen Anlagen, Serverräumen, etc. Der Bedarf an Fernkälte wächst alleine in Wien im Jahr durchschnittlich um 15 Prozent.

Vorteile für die Umwelt

Durch die Verwendung von in Kraftwerken anfallender Abwärme ist für die Fernkälte gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen vier bis zehn Mal weniger Primärenergie nötig. Ebenso viel wird an CO2 eingespart. Ein weiterer Vorteil des Absorptionskälteprozesses ist, dass keine umweltschädlichen Kältemittel (FKW oder HFKW) benötigt werden. So werden auch hier schädliche Treibhausgase eingespart und die Ozonschicht geschützt.

Fernkälte ist eine Möglichkeit, Energie effizient zur Raumkühlung zu nutzen und im Angesicht des Klimawandels ein zukunftsweisendes Konzept. „Wien ist hier einer der Vorreiter“, so Kaspar. „Fernkälte gibt es auch in anderen Städten wie beispielsweise Helsinki oder Paris. Was den Ausbau der Fernkälte betrifft, gehört Wien aber sicher zur europäischen Spitze.“

 

Foto: Wien Energie

2 Gedanken zu “Wien mit Daikin-Power Vorreiter bei Fernkälte

  1. Fernkälte klingt sehr interessant, ich hatte noch nie zuvor davon gehört. Das heißt also, dass ich vielleicht gerade eine Klimaanlage mit Fernkälte benutze. Oder geschieht dieser Prozess nur für große Industrien?

    1. Fernkälte kommt derzeit zur Gebäudeklimatisierung im öffentlichen und Gewerbebereich zur Anwendung. Mit der Fernkälte der Wien Energie werden Bürogebäude, Hotels, Krankenhäuser, Universitäten und Geschäfte gekühlt. Um für ein angenehmes Raumklima auch im Sommer zu sorgen, ist in solchen Gebäuden Klimatisierung praktisch eine Notwendigkeit. Mit der Methode des „Free Cooling“, in diesem Fall der Nutzung des kalten Donauwassers und der Luft, sowie dem Einsatz der Abwärme aus der Müllverbrennung bei Absorptionskältemaschinen nutzt die Wien Energie nachhaltige Methoden der Kühlung. Für den Privatbereich ist Fernkälte nach unserem derzeitigen Wissensstand nicht geplant.

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