Gefahren illegaler Kältemittel
Dietmar Grois
Daikin Professional

Illegale Kältemittel: Gefahren erkennen

Der Handel mit illegalem Kältemittel hält die Klima- und Kältetechnik-Branche in Atem. Vorsicht ist geboten, denn es bestehen nicht nur rechtliche Risiken, sondern auch Gefahren für die Gesundheit.

In der Fachpresse und im Internet wurde in letzter Zeit viel über illegal importierte Kältemittel berichtet. Was damit anfing, dass ein paar Zylinder bei eBay verkauft wurden, hat sich nun als illegaler Handel im großen Stil erwiesen: Bis zu 20 Prozent des gesamten F-Gas-Quotenvolumens soll betroffen sein. Mit der EU-F-Gas-Verordnung und dem HFKW-Phase Down ist der finanzielle Druck auf die Branche gestiegen, was offenbar Kriminelle ihre Chance wittern lässt.

Gefahren für Geschäft, Gesundheit und Umwelt

Der illegale Handel untergräbt nicht nur das Ziel der F-Gas-Verordnung, HFKW zu reduzieren und damit die Umwelt zu schonen. Risiken, wie das Austreten von Kältemitteln in die Atmosphäre nehmen durch die Verwendung unzureichender Flaschen oder illegaler Einwegflaschen noch weiter zu. In den letzten Monaten ist es den Behörden zum Teil gelungen, Angebote für Kältemittel auf diversen Online-Plattformen zu entfernen. Ein Großteil dieser im Internet angebotenen Produkte ist in nicht nachfüllbaren Einwegzylindern erhältlich, deren Verwendung in der EU 2007 verboten wurde.

Ein weiteres, schwerwiegendes Problem ist die Produktqualität. Der Kauf bei einem seriösen Händler stellt sicher, dass diese ihre Kältemittel wiederum von seriösen Anbietern und Gasherstellern beziehen. So können Sie sich sicher sein, dass das Kältemittel im Zylinder genau dem entspricht, was außen auf der Flasche angeführt ist. Bei online erworbenen – vermeintlich reinen – Kältemitteln wurden indes vielfach Gemische in den Zylindern ausfindig gemacht. Einige dieser Produkte sind möglicherweise harmlos, können jedoch die Systemleistung der Kälteanlage beeinträchtigen. In anderen Fällen wurde sogar festgestellt, dass als nicht brennbar ausgewiesene Kältemittel erhebliche Mengen an brennbaren Bestandteilen enthielten. Wer illegales Kältemittel kauft, dem drohen:

  • Finanzielle Auswirkungen durch Geldbußen oder strafrechtliche Verfolgung
  • Auswirkungen auf den Betrieb: Wenn Kältemittel die Spezifikationen nicht einhalten (Verunreinigungen, Verunreinigungen mit Öl und anderen Substanzen usw.), kann dies zu Leistungseinbußen, verminderter Energieeffizienz, höheren Betriebskosten und Geräteausfällen führen. Dies kann auch das Erlöschen von Garantien und mögliche Versicherungsfolgen bedingen.
  • Geschäftliche Auswirkungen: Beeinträchtigung der Kundenbeziehung oder sogar Verlust von Kunden.
  • Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit: Kältemittel fallen unter Stoffe, die besonders vorsichtig behandelt werden müssen, insbesondere durch den vermehrten Einsatz von brennbaren Gasen und Hochdruckgasen. Kältemittel, die nicht den Spezifikationen der Gasproduzenten oder dem auf den Zylindern angegebenen Inhalt entsprechen, können ein ernstes Risiko für die Gesundheit und Sicherheit von Installateuren und Anwendern darstellen.

Hohe Strafen bei Verwendung illegaler Kältemittel

Verwenden, importieren oder handeln Sie mit Kältemittel, gilt es die rechtlichen Rahmenbedingungen zu kennen. Neben der F-Gase-Verordnung sind auch die REACH-Verordnung sowie die CLP-Verordnung zu beachten. Die Österreichische Verordnung BGBl II Nr. 447/2002 über Verbote und Beschränkungen teilfluorierter und vollfluorierter Kohlenwasserstoffe sowie von Schwefelhexafluorid (IndustriegasVO) sieht zudem vor, dass ...
• ... zur Verwendung von Kälte- oder Kühlmitteln zur Befüllung oder Nachfüllung nur berechtigte Gewerbetreibende im Umfang ihrer jeweiligen Bewilligung oder Konzession befugt sind;
• ... eine detaillierte Meldeverpflichtung an das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus besteht. Diese betrifft die Mengen an Kälte- oder Kühlmittel, die in Neuanlagen erstmalig eingefüllt, in bestehende Anlagen nachgefüllt bzw. der Entsorgung zugeführt wurden.

Darüber hinaus kann auch das Gefahrgutrecht, welches beim Transport von Kältemitteln eingehalten werden muss, sowie das österreichische Giftrecht (III. Abschnitt des Chemikaliengesetzes 1996) relevant sein. Dieses sieht für erfolgte und versuchte Verwaltungsübertretungen Geldstrafen von bis zu € 20.180 – im Wiederholungsfall sogar bis zu € 40.375 – vor.

Die Wirtschaftskammer warnte daher bereits im vergangenen Jahr vor Produktfälschungen und empfahl, gerade bei ungewöhnlich günstigen Preisen skeptisch zu sein sowie besonders darauf zu achten, dass der Online-Händler einen Sitz in der EU hat. Andernfalls könnten Sie alle Verpflichtungen eines Importeurs treffen.

So erkennen Sie illegale Kältemittel

Vergewissern Sie sich daher, dass Ihr Lieferant alle Verordnungen einhält und vermeiden Sie Strafen durch unüberlegtes Handeln. Die folgenden Indikatoren helfen Ihnen dabei, potenziell illegale Kältemittel schnell zu identifizieren:

  • Kältemittelzylindertyp
  • Dokumentation, z. B. Sicherheitsdatenblatt
  • Beschriftung der Flasche

Illegale Kältemittel lassen sich am einfachsten anhand ihrer Verpackung identifizieren. Üblicherweise werden wieder befüllbare Mehrwegzylinder verwendet, die durch ihren Kragen und Fußring gekennzeichnet sind. Wenn der Zylinder dem nicht entspricht, handelt es sich vermutlich um einen seit 2007 in der EU verbotenen Einwegzylinder (nicht nachfüllbar). Sie entsprechen nicht den ADR-Transportvorschriften für gefährliche Güter.

Auch die legalen Flaschen mit Kragen und Fußring müssen bestimmte Kriterien erfüllen, beispielsweise in Bezug auf die Druckgeräterichtlinie und die Transportbestimmungen. Jede Kältemittellieferung muss vom entsprechenden Sicherheitsdatenblatt (SDB) begleitet werden, das vom Gaserzeuger/-lieferanten ausgestellt wurde. Eine von der EPEE in Zusammenarbeit mit einer Reihe anderer europäischer Organisationen erstellte Broschüre klärt über weitere Einzelheiten zu diesem Thema auf. Sie kann unter diesem Link  heruntergeladen werden.

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