Die Hitze belastet auch die Psyche
Claudia Heuritsch
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Auch die Psyche leidet unter der Hitze

Wenn das Thermometer in ungeahnte Höhen steigt, ächzen wir unter der Hitze. Der Alltag wird mitunter zur Qual, darüber hinaus kann es bei weit über 30 Grad aber auch wirklich ernst für die Gesundheit werden – sowohl körperlich als auch psychisch.

Die Auswirkungen von großer Hitze auf den Körper und deren Gefahren sind uns geläufig. Bei ungenügend Flüssigkeitszufuhr kann uns die erhöhte Schweißproduktion dehydrieren. Bleiben wir zu lange ungeschützt in der Sonne, droht ein Sonnenstich. Risikogruppen wie ältere Menschen, Kinder oder Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in heißen Sommern besonders gefährdet. Laut dem Hitze-Mortalitätsmonitoring der AGES forderte die lang andauernde Hitze 2018 in Österreich 766 Todesopfer.

Diese Komponente ist aber nur ein Problem. „Hitze beeinträchtigt nicht nur unseren Körper und unseren Geist, die Konzentrationsfähigkeit etwa, auch unsere Seele ist belastet“, sagt Prof. Hans-Peter Hutter im Magazin 1. „Wir haben in unseren Studien gesehen, dass bestimmte Risikogruppen mehr Ängste haben und auch depressive Verstimmungen“, so der Umweltmediziner der MedUni Wien und Mitautor des Buchs „Klimawandel und Gesundheit“. Demnach seien etwa Menschen, die alleine leben, die nicht mehr so mobil sind oder die bereits Grunderkrankungen haben, stark betroffen. „Diese Menschen sitzen dann zuhause, es geht ihnen schlecht und sie sehen beim Blick auf die nächsten Tage: Diese Hitzewelle hört ja überhaupt nicht auf. Es beginnen sich Befürchtungen aufzubauen, Ängste. Was mache ich, wie überstehe ich das?“, erläutert Hutter.

Psychische Mehrbelastung durch Hitze

Wer bereits unter psychischen Problemen leidet, wird durch die Hitze noch einmal zusätzlich belastet. Menschen mit Angst- oder Panikstörungen etwa tun sich schwer damit, Symptome wie Kurzatmigkeit oder leichte Kreislaufprobleme auf die Hitze zurückzuführen, stattdessen häufen sich die Panikattacken. „Denn bei der geringsten Abweichung von der Norm setzt eine Angstkette ein, und das Gehirn schlägt sofort Alarm“, erklärt Josef Schörghofer, Leiter der psychosozialen Information des PSD, gegenüber ORF.at. Auf Menschen mit Belastungsstörungen und Depressionen wirken schönes Wetter, Helligkeit und Sonne im Grunde stimmungsaufhellend. „Durch die Hitze wird dieser Effekt aber entweder nivelliert oder kippt ins Negative“, so Schörghofer. Zudem steige in Hitzewellen die Zahl von Schlafstörungen.

Hohe Temperaturen, hohe Aggression

Die Psychologie widmet sich auch intensiv dem Verhältnis von Hitze und Aggressionen. Untersuchungen des US-Forschers Craig Anderson, der sich seit Jahren mit der sogenannten Heat Hypothesis beschäftigt, belegen etwa, dass Menschen mit der Hitze launenhafter und potenziell feindseliger werden. Eine Analyse Andersons zeigt, dass bei erhöhten Temperaturen ein Anstieg der Gewaltverbrechen zu verzeichnen ist, ab 32 Grad etwa mehr Fälle von häuslicher Gewalt sowie Beleidigung und Körperverletzung auftreten.

Auch wenn dies nicht nur auf die direkten, sondern auch auf indirekte Auswirkungen der Hitze zurückzuführen ist, bekommt er Schützenhilfe aus der Medizin bzw. Biologie. Bei Hitze wird das Hormon Vasopressin verstärkt ausgeschüttet, erklärt Hanns-Christian Gunga, Mediziner an der Charité Berlin, gegenüber Deutschlandfunk. „Und man weiß, dass dieses Hormon deutlich die Aggression von Personen erhöht." Hinzu komme laut Gunga ein weiterer Faktor. „Bei 38 oder 39 Grad machen Sie deutlich mehr Fehler. Und mit diesen Fehlern erhöht sich auch die Aggression, weil der Mensch nicht gerne Fehler macht.“

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