Claudia Heuritsch
Daikin World

Weihnachten in Japan: Das etwas andere Fest der Liebe

Weihnachten hat Tradition. Natürlich unterscheidet sich diese von Familie zu Familie ein wenig, aber im Grunde sieht Weihnachten in Österreich meist sehr ähnlich aus. Egal ob man Karpfen oder Würstelsuppe kredenzt, egal ob klassische Weihnachtslieder gesungen werden oder man moderneren Christmas-Hits lauscht, egal ob die Geschenke unter einer Tanne oder Fichte liegen. Weihnachten bedeutet ein paar – mehr oder weniger – ruhige Feiertage im Kreise der Familie. Der eine oder andere mag sich insgeheim zwar eine Flucht á la „O Palmenbaum“ wünschen, aber letztlich kann man sich Weihnachten doch gar nicht anders vorstellen. Und doch gibt es Teile dieser Erde, in denen Weihnachten eine völlig andere Bedeutung hat. Etwa in Japan.

Fast Food und Torte

Wenn Sie sich nun fragen, ob die Japaner überhaupt Weihnachten feiern, dann können wir Sie beruhigen: Ja, das tun sie. Allerdings wirkt das Fest der Liebe, wie es dort gefeiert wird, für uns vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig.

Das verwundert bei genauerer Betrachtung nicht, konnte sich in Japan doch jene christliche Kultur, der das traditionelle Weihnachtsfest entstammt, nie wirklich durchsetzen. Laut der japanischen Botschaft machen Christen nur etwa ein Prozent der japanischen Bevölkerung aus. Eine religiöse Bedeutung hat das Fest in Japan daher nicht. Die Weihnachtsfeiertage gibt es als offizielle Feiertage auch nicht. Zwar ist der 23. Dezember ein nationaler Feiertag, was allerdings am Geburtstag von Kaiser Akihito liegt.

Nur junge Familien feiern am 24. Dezember oder am nächsten Tag für ihre Kinder ein kleines Fest mit Geschenken. Auf den Tisch kommt dabei eine Weihnachtstorte aus Biskuit, Erdbeeren und Schlagobers. Kurioserweise wird seit einer erfolgreichen Werbekampagne auch gerne frittiertes Hendl gereicht – nicht selten in Form des Weihnachtsmenüs von Kentucky Fried Chicken. Die US-Kette hatte einst die Geschichte eines Amerikaners verbreitet, der in Japan vergeblich auf der Suche nach einem Truthahn war und letztlich bei KFC Ersatz fand.

Eigentlich steht unser mitteleuropäischer Heiliger Abend in Japan aber im Zeichen der Pärchen.

Wie ein zweiter Valentinstag

Ein perfekter Kurisumasu ibu (クリスマス・イブ), wie der Abend in Anlehnung an das englische Christmas Eve genannt wird, ist traute Zweisamkeit. Zunächst wird durch prächtig beleuchtete Straßen geschlendert. Gerade Einkaufsstraßen und Shoppingcenter überbieten sich geradezu mit perfekt orchestrierten und musikalisch untermalten Lichtershows. Bei einem romantischen Candle Light Dinner samt Übergabe von Geschenken wird der Abend fortgesetzt, ehe er vornehmlich in einem schicken Hotel endet.

Kein Date für diesen Abend zu ergattern gilt als Niederlage, gegen die man sich mittlerweile sogar versichern lassen kann. Es ist ein Fest für Verliebte, über das sich auch die Wirtschaft freuen darf. Oder wie es Japan-Bloggerin Daniela Langkamp beschreibt: „Eine Mischung aus amerikanischem Valentinstag und Abschlussball.“

Eine Vorliebe für „Stille Nacht, heilige Nacht“

Weihnachten ist in Japan ohne die kulturelle Verankerung über Jahrhunderte hinweg ein importiertes Fest, das sich stark an Amerika orientiert. Ähnlich wie es sich mit Halloween verhält. Das große Familienfest der Japaner ist hingegen das Neujahrsfest.

Dennoch sind die Japaner riesige Fans des Weihnachtszaubers, was auch das große Interesse an „Stille Nacht, heilige Nacht“ zeigt. Die kleine Kapelle in Oberndorf bei Salzburg, in der das beliebte Weihnachtslied 1818 erstmals aufgeführt wurde, ist ein beliebtes Ziel bei japanischen Touristen. 1990 übertrug das japanische Fernsehen die dort abgehaltene Messe am 24. Dezember live.

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